Kurioses · Alltägliches

Kennen Sie Brise One Touch?


Werbung von 2009

Das ist so ein Raumspray, speziell für die Toilette, mit dem man eventuell auftretende unangenehme Gerüche überdecken kann. Bekannt wurde es in Deutschland durch seine schlecht synchronisierten und merkwürdig skurillen Werbespots. Wenn mal keine Zeitung zur Hand ist, kann man sich die Warnhinweise auf der Dose durchlesen und wird sich vermutlich wundern:

[...] Darf nicht in Hände von Kindern geraten. Aerosol nicht einatmen. Nur in gut belüfteten Bereichen verwenden. Nicht in die Augen sprühen. [...]

Bei der Lektüre dieser Hinweise drängen sich einem sogleich Fragen auf, wie: Warum sieht man eigentlich in sämtlichen Werbespots vorwiegend Kinder auftreten, die das doch eigentlich gar nicht benutzen dürfen? Muß man jetzt immer die Luft anhalten, wenn man den Raum erfrischt? Wenn der Bereich immer gut belüftet sein muß, braucht man wozu genau ein Duftspray? Ist die Wandmontage mit nach oben gerichteter Sprühöffnung nicht ein wenig ungünstig geplant?

Schlußendlich wird man vermutlich nie erfahren, ob Entwicklungs- und Marketingabteilung von Brise überhaupt miteinander reden.

Jan • 21.10.2009, 11:35 Uhr

Alltägliches

Ungelöste Rätsel des Universums (4)


8 Stellen

Warum setzen so viele Menschen Leerschritte in lange Ziffernfolgen? Egal, ob es eine Telefonnummer ist, eine Kontonummer oder Bankleitzahl, es werden immer wieder Leerschritte eingefügt, meistens nach jeweils drei Ziffern: 030 678 901 23 oder 860 100 90. Ja natürlich, »das ist doch zur besseren Lesbarkeit, damit man z.B. nicht zwischen den Ziffern verrutscht«. Aber wer liest Kontonummern? Enthalten sie eine mir unbekannte Poesie? Zählen sie zur modernen Prosa? Ist das Telefonbuch deshalb so erfolgreich, weil es so gut lesbare Telefonnummern enthält?

Natürlich, im Telefonbuch Leerschritte zwischen die Zahlengruppen zu setzen ist tatsächlich sinnvoll. Ebenso auf Visitenkarten oder Werbeschildern. Hier muß man die Nummer behalten, abschreiben oder abtippen und ist dankbar für leicht zu merkende Ziffernblöcke. Aber warum neigen die Leute dazu, auch in digitalen Medien, wie Email oder Textnachricht Leerschritte einzufügen? Wir schreiben das Jahr 2009. Jeder zweite Haushalt in Deutschland verfügt über einen Internetanschluß, wieviele Menschen ihre Bankgeschäfte online machen ist sicher auch in einer Studie belegt. Was vermutlich noch nicht untersucht wurde: Wieviele Menschen ärgern sich Tag für Tag über Leerschritte in Kontonummern?

In einem Online-Überweisungsformular gibt es ein Feld für die Kontonummer und die Bankleitzahl. Diese Felder akzeptieren nur Zahlen, jedoch keine Leerzeichen und sind außerdem in ihrer Länge begrenzt. Ein Eingabefeld für die Bankleitzahl erlaubt nur Zahlen und eine Maximallänge von 8 Zeichen. Die hübsch mit Leerzeichen formatierte Zahl "860 100 90" ist nicht nur viel zu lang (10 Zeichen), sondern enthält auch unerlaubte Zeichen (die Leerschritte).

Vielleicht kann ja mal jemand eine Studie darüber machen, wieviele Jahre ihres Lebens die Menschen damit vergeuden, Leerzeichen aus Kontonummern zu entfernen.

Weitere ungelöste Rätsel.

Jan • 15.7.2009, 6:32 Uhr

Berlin · Alltägliches

Sommerklänge


Blick vom Balkon

In meiner Straße gibt es jetzt eine Baustelle. Der Fahrbahnbelag wurde ja erst vor kurzem erneuert, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, alles wieder aufzureißen, um neue Abwasserrohre zu verlegen. Natürlich ist der gesamte Straßenzug Parkverbot und Sackgasse.

Die Bauarbeiten finden Werktags von 6 bis 22 Uhr statt, bis in den Sommer hinein. Das wird sicher ein Spaß. Neben zarten Kettensägenklängen um 21 Uhr abends, wenn Holzverschalungen zurechtgesägt werden, ertönen morgens um 6 Uhr auch noch liebliche Hammerschläge, wenn mit einer riesigen Ramme Spundwände in die Erde gehämmert werden. Da lacht das Herz! Besonders, wenn tagsüber keine Menschenseele auf der Baustelle anzutreffen ist.

Kürzlich haben sich allerdings Anwohner beschwert und die Polizei gerufen, wegen der frühen und späten Lärmbelästigung. Es darf jetzt nur noch von 7 bis 18 Uhr gearbeitet werden. Natürlich wurde vom Verantwortlichen gleich verkündet, daß sich die Bauarbeiten infolgedessen bis Jahresende hinziehen werden. Herzlichen Glückwunsch!

Seit neuestem sind die Grabungsarbeiten bis vor meine Haustür vorgedrungen und unter meinem Balkon säuselt nun Tag und Nacht sehr lautstark eine große Pumpe, die unentwegt Grundwasser aus den Gräben pumpt. Solang es kühl ist, stört es ja nicht, da sind die Fenster ohnehin geschlossen, aber über den Sommer wäre diese Situation eher ungünstig. Für den Fall braucht man einfach nur den ungesicherten Drehstromstecker aus der Pumpe zu ziehen um am Morgen zu beobachten, wie die Arbeiter ratlos vor ihren randvoll bewässerten Gräben stehen. Merkwürdigerweise wurde genau dann, als die milden Tage begonnen, die Pumpe ans Ende der Straße verholt und mit langen Zuführungsrohren versehen.

Inzwischen haben sich die Arbeiter neue Wege gesucht, mich aus dem Schlaf zu holen. Verladearbeiten finden grundsätzlich unter meinem Fenster statt, wobei Schutt und Steine aus möglichst großer Höhe in einen leeren Container gekippt werden. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie der Bauherr jede Woche im Anzug und mit einer Karte durch die Straße stakst und die Arbeiter präzise darauf hinweist, wo sich mein Schlafzimmerfenster befindet. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ihn dann freundlich winken und zu seinem Mercedes zurückschlendern.

Ich bin mir ziemlich sicher, daß hinter der nächsten Ecke bereits ein Bauteam der Telekom darauf wartet, daß die Straßendecke wieder geschlossen wird, damit neue Leitungen verlegt werden können. Aber erstmal sehen, wie der Sommer 2008 so wird.

Jan • 5.5.2008, 6:12 Uhr • Kommentare: 5

Alltägliches · Früher

Krieg der Fortschritte


Generationenkonflikt? (Foto: schockwellenreiter, Lizenz)

Die Fernseher gehen den direkt umgekehrten Weg wie Computer. Letztere nähern sich immer mehr Fernsehern, Stereoanlagen usw. an, während die Fernseherhersteller immer mehr Computerfunktionalität in die Glotzen einbauen, nur mit viel zu wenig Rechenleistung! - Dradts

Und genau so scheint es in der gesamten Unterhaltungselektronik auszusehen. Beim Einschalten des Marken-Fernsehers zum Beispiel, kann man folgenden Ablauf beobachten (und man hat viel Zeit zum Beobachten): Zuerst wird die rote LED grün und es ist ein lautes Degauss-Geräusch (klingt wie »Boing«) zu hören. Ein paar Sekunden später hört man dann den Ton der gerade laufenden Sendung, der Schirm ist aber noch schwarz. Danach fängt die Röhre zuerst zu flackern an und unter lautem knistern blendet sich langsam das Bild ein. Erst, wenn die volle Helligkeit erreicht ist und das finale »Klack« zu hören war, ist der Fernseher bereit, Kommandos zu empfangen. Während der gesamten, endlos erscheinenden Einschaltzeit kann man weder den Kanal wechseln, noch lautlos stellen. Auch läßt sich das Gerät in diesem Zeitraum nicht wieder ausschalten.

Will man jetzt die Kanäle durchschalten, muß man viel Zeit mitbringen, denn das dauert fast so lange, wie das Einschalten: Zuerst flackert die grüne LED kurz rot auf, dann ist der Ton weg und schließlich wird das Bild schwarz. Dann dauert es ein paar Sekunden, bis man den Ton des gewählten Senders hört, schließlich blendet sich ganz langsam das Bild wieder ein und nach kurzer Zeit erscheint in der oberen rechten Ecke die aktuelle Kanalnummer. Erst ab jetzt reagiert das Gerät wieder auf Eingaben.

Bedenkt man, daß die Senderumschaltung früher in Sekundenbruchteilen, ja quasi in Echtzeit funktioniert hat, scheint dieser unterhaltungselektronische Fortschritt dem informationstechnischen entgegenzuwirken. In der Informatik versucht man ständig, die Reaktions- und Rechenzeiten zu verkürzen, um immer schnellere Anwendungen zu schaffen, während die Unterhaltungselektronikindustrie offenbar versucht, alle bisher bekannten und bewährten Prozesse völlig neu abzubilden, indem man sie sich von den Computern abschaut, während man die Reaktionszeiten paradoxerweise immer mehr verlängert.

Das ist aber noch nicht alles! In der Informatik versucht man immer, möglichst viele Prozesse zu parallelisieren. Das heißt, man möchte Zeit sparen, indem man so viele Aufgaben wie möglich gleichzeitig erledigen läßt. In der Unterhaltungselektronik gewöhnt man sich genau das gerade ab: Schaltet man den Marken-DVD-Recorder ein, erscheint zunächst ein freundliches »HELLO« auf dem Display, dann schaltet der Fernseher automatisch auf den DVD-Kanal um, weil er offensichtlich ein Signal vom Recorder bekommt, zeigt dann aber nur das Testbild mit Herstellerlogo und der Meldung »INITIALIZE« an. Das dauert geschlagene 20 Sekunden und erst nachdem die Initialisierung abgeschlossen ist, aktiviert sich der eingebaute Tuner und zeigt das Fernsehbild des eingestellten Senders. Bis dahin starrt man ein leeres Bild an. Früher haben Videorekorder einfach das TV-Signal durchgeschleift und den eingebauten Tuner erst dazwischengeschaltet, wenn das Gerät eingeschaltet wurde, und damals ging das ganze ohne merkliche Verzögerung. Warum das neuerdings nicht mehr möglich ist, bleibt wohl ein Geheimnis der Produktentwickler.

Ebenfalls ein Geheimnis ist, warum während des Einlesens einer DVD alle anderen Funktionen des Geräts deaktiviert sind. Im Display steht lediglich »READING«, das Drücken von Knöpfen an Gerät oder Fernbedienung wird geflissentlich ignoriert. Man kann nichtmal die Schublade öffnen.

Offen bleibt, wo die einzelnen Fortschritte hinführen und welcher sich am Ende durchsetzt. Denkbar wäre die Einführung von solarbetriebenen Geräten, die dann nur noch bei Sonnenschein funktionieren. Ebenfalls möglich ist der Weggang von mechanischen Speichermedien, wie Festplatten und DVDs. So könnte man z.B. aufgezeichnete Filme genauso speichern, wie Lesezeichen: Sie werden einfach gelöscht, wenn man das Gerät in den Standbymodus versetzt.

Wer noch sinnlosere Fortschrittsideen hat, kann sie gern der Unterhaltungselektronikindustrie zukommen lassen oder in den Kommentaren notieren.

Jan • 14.4.2008, 5:39 Uhr • Kommentare: 2

Berlin · Alltägliches

Neulich im Wartezimmer


Eine Frau, etwa anfang Sechzig, kommt herein und grüßt, ihr Mann gleich hinterher, grüßt ebenfalls. Die Frau schubst ihren Gatten sanft rüber zu dem Stuhl, der direkt vor der Tür zum Röntgenraum steht.

»Setzt Du Dich dort hin?«

»Naja, wenn ich da nicht im Weg sitze...«, in diesem Augenblick kommt die Schwester aus dem Röntgenraum heraus, teilt dem Ehepaar mit, daß sie noch etwas warten müssen und verschwindet wieder. Die Frau hängt ihre Jacke umständlich über die Lehne des anderen Stuhls, platziert einen blauen, knisternden Stoffbeutel außerordentlich sorgfältig auf der Sitzfläche und stellt sich daneben. Dann geht sie ein paar Schritte hinüber zum unbesetzten Schwesternschreibtisch, dann wieder ein paar Schritte zur Wand, wo eine Reihe von Bilderrahmen mit Postern und Zeitungsausschnitten von Gérard-Philipe-Filmen hängen.

Ihr Mann sitzt inzwischen ganz ruhig und entspannt auf seinem Stuhl und liest wortlos in einem Bündel Datenblätter und Artikel über Antennentechnik, die mit einem Aktendulli zusammengeheftet sind. Fast beiläufig redet die Frau mit einem der Bilder an der Wand, meint aber offensichtlich ihren Mann: »Ich muß jetzt erstmal eine Weile stehen. Ich hab im Auto so viel gesessen. Ich will mir jetzt nicht die Beine in den Bauch sitzen.« Ihr Mann ignoriert die völlig verunglückte Redewendung, die normalerweise beim Stehen verwendet wird. Und weil ihn diese ungefragte und belanglose Information offenbar wenig interessiert, entgegnet er nur trocken: »Ich kann ja das Bodenblech vom Auto heraustrennen - dann kannst Du während der Fahrt laufen!« Die Frau atmet nur schwer und sagt schließlich: »Sei froh, daß ich dazu jetzt nichts sage.« Und weil sie das Klisché auch in jeder anderen Hinsicht erfüllt, fügt sie gleich noch eine Ermahnung hinzu, die nicht das geringste mit der Sache zu tun hat: »Du hast Deine Tasche da so hingeworfen, vergiß sie nachher blos nicht!« und deutet dabei auf einen kleinen schwarzen Beutel der neben ihres Mannes Stuhl auf der Erde liegt. Er murmelt nur »Nee nee«, ohne von seiner Lektüre aufzublicken.

Die Frau steht nun vor dem Stuhl mit ihrem Beutel und beginnt, an der Jacke zu zupfen, die noch immer über der Lehne hängt. Sie entfernt einen unsichtbaren Fussel vom Revers, zieht die Kragenbändsel auf beiden Seiten gleichlang und richtet sorgfältig den Kragen, als ob die Jacke gerade von jemandem getragen würde. »Beate will nun doch heute zum Weihnachtsmarkt. Mit dem kleinen Christian. Der bekommt dann aber keine Kekse mehr.« sagt sie nach einer längeren Pause zu ihrem Mann. Der jedoch erwidert nur »Dann kannst Du ja die Kekse alle alleine essen.« und widmet sich augenblicklich wieder dem offenbar sehr interessanten Artikel auf seinem Schoß.

Langsam geht sie wieder zu der Wand mit den Zeitungsausschnitten und liest einen Artikel nach dem anderen aufmerksam durch. Nachdem sie alle Bilder wie in einem Museum abgearbeitet hat, sagt sie »Schön, daß diese alten Filme noch gezeigt werden, den hier hab ich immer sehr gern gesehen.« Sie hat wohl nicht gemerkt, daß die Artikel und Poster schon etwas älter sind und daß es wohl nicht mehr viele Orte gibt, an denen diese Klassiker noch gezeigt werden. Ihr Mann reagiert nicht; er fühlt sich vermutlich nicht angesprochen, da sie ja wieder mit den Bildern geredet hat. Scheinbar unbeeindruckt geht sie zu ihrem Stuhl und widmet sich dem so sorgsam platzierten Stoffbeutel, streicht ihn glatt, zupft mal hier, mal dort, nimmt ihn vorsichtig hoch und legt ihn zwei Millimeter weiter links wieder auf die Sitzfläche, um ihn dann abermals glattzustreichen und zu zupfen. Dann nimmt sie ihn wieder hoch und trägt ihn hinüber zum Tisch mit den Zeitschriften, legt ihn dort ab und versucht im gleichen Augenblick, eine Zeitung darunter hervorzuziehen. Während sie umständlich hantiert, schiebt sie den Beutel nochmal ein Stück weiter zum Rand des Tisches und beginnt schließlich in einer Ausgabe GEO zu blättern.

»Wir könnten ja auch mal auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ein paar Lose kaufen oder so.«

»Nee, ganz bestimmt nicht! Da kann ich auch gleich das Fenster aufmachen und mein Geld da rauswerfen, dann kann ich es wenigstens klimpern hören!«

»Aber vielleicht gewinnst Du ja was großes? Ein Stofftier oder so.«

»So? Und was soll ich damit?«

»Na als Erinnerung!«

Mit einem genervten Blick und strafendem Schweigen widmet sich der Mann wieder seinem Artikel. Das Telefon klingelt. Da die Schwester aber offensichtlich im Behandlungszimmer zu tun hat, bleibt es unbeantwortet. Es klingelt noch weitere drei Male, als die Frau zu ihrem Mann sagt: »Der Florian wäre längst rangegangen.«

Der Mann grunzt nur leise ohne aufzublicken.

»Der Florian geht immer sofort ans Telefon« sagt sie und kichert. Auch das bleibt unbeantwortet.

Die Tür klickt und ein weiterer Patient betritt das Wartezimmer, grüßt freundlich, wirft einen Blick in die Runde und sucht nach freien Sitzplätzen. Die Frau steht auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes am Fenster vor einem freien Stuhl und sagt »Setzen Sie sich ruhig hin! Kümmern Sie sich nicht um meine Jacke.« während sie auf den von ihr belegten Stuhl neben ihrem Mann deutet und vor dem leeren Stuhl am Fenster stehen bleibt. Der neue Patient erwidert leise »Hier ist doch genug Platz!« und setzt sich auf die Couch. Die Frau geht zu ihrem Stuhl zurück, nimmt ihre Jacke von der Lehne, geht rüber zu dem freien Stuhl am Fenster und beginnt wieder damit, alles sorfältig und ordentlich über der Lehne zu drapieren. Ihr Mann liest unbeeindruckt seine Zettel. Schließlich setzt sie sich hin.

Jan • 27.2.2008, 6:46 Uhr • Kommentare: 4

Liebes Tagebuch · Alltägliches

Wort zum Mittwoch Sonntag


A-Säule, unverkleidet

Neulich hat sich jemand beschwert, daß am Sonntagmorgen um 10 Uhr noch so viele betrunkene Partyheimgänger in den S-Bahnen vor sich hindösen. Dabei ist das eine unverzichtbare Tätigkeit! Zwischen Haustür und Nachdurst den beginnenden Tag zu erleben ist ein wichtiger Teil des gesamten Ausgehens ansich. Schon Kettcar haben diese süße Romantik in ihrem Lied »Ausgetrunken« zelebriert. Und mal abgesehen davon ist ein gesundes Nacht- und Morgenleben für eine Stadt kulturell ungemein wertvoll. Man stelle sich vor, die Leute lägen alle schon um 11 Uhr im Koma, wie z.B. in England.

Und wenn der Sonntag dann im Arsch ist und der Montag gleich mit, macht das gar nichts. Um den Montag ist es schonmal sowieso nicht schade, da gibt es ohnehin nur schlechten Kaffee. Und der Sonntag ist ja wohl der nutzloseste Wochentag aller Wochentage. Man kann ja nichts machen! Staubsaugen z.B. wird in der entmilitarisierten Zone der Nachbarschaft als sonntägliche Ruhestörung gewertet. (Wäschewaschen ja eigentlich auch, aber irgendwann ist mal Schluß!) Löcher in die Wand bohren ebenfalls, aber das ist nicht schlimm, es fehlt sowieso immer genau ein Dübel. Und mal schnell in den Baumarkt fahren geht nicht, solange ein künstlicher Gott (oder die Gewerkschaften? Oder beide?) definiert, an welchem Wochentag gearbeitet werden darf. Abgesehen davon, daß alle Nicht-Einzelhandel-Menschen entweder über diesem komischen Herrn Gott stehen oder keine Christen sein dürfen.

Zugegeben, »Ich bin eine Konsum-Hure«, aber es ist doch wirklich so: Für nahezu alles kreative, was man machen könnte und wollte, braucht man doch meistens noch ein offenes Geschäft und nicht nur den Baumarkt! Für die Verkleidung der A-Säule im Auto fehlt genau ein einziger von diesen kleinen, weißen Plasteklipsen. An jedem anderen Wochentag denkt man nicht dran, aber wenn man sich endlich mal ums Auto kümmern will, ist gerade Sonntag.

Da man Sonntags also nichts sinnvolles machen darf, stört es doch nicht, wenn man ihn einfach mit zwei, drei Aspirin im Bett verbringt und den Rausch ausdöst. Wäre man bei Bewußtsein, würde man sich doch nur den ganzen Tag vor Montag fürchten.

Jan • 13.2.2008, 6:38 Uhr • Kommentare: 2

Berlin · Alltägliches

Zu Besuch beim Support


Support: fehlgeschlagen

Nachricht an Support: Hallo, ich möchte bei Ihnen Downloaden: Fritz Werner - Mein kleiner Kater Nicki. Sie bieten 4 verschiedene Versionen an. Was »Karaoke« ist, weiss ich: nur Instrumental. Aber was bedeutet 2 X »Lucky Kids Version« und 1 X »Solo Version«? Schöne Grüsse!

Antwort von Support: Hallo, ich denke mal, daß die »Solo Version« die richtige Fassung des Stücks ist. Jedenfalls ist sie von der Spielzeit her identisch mit der Karaoke Fassung.
Wie ja schon bemerkt, ist »Karaoke« was zum Mitsingen. Welche musikalische Intention sich aber hinter der »Lucky Kids Version« verbirgt, wird wohl nur der Produzent von EMI Deutschland selber wissen. Wahrscheinlich eine musikalische Bezugnahme auf lustige Kinder. Grüße!

Jan • 30.1.2008, 7:32 Uhr