Wissenswertes

Warum heute Montag ist

Alles begann im Jahre 1835, als die Kontinentaleuropäer in England den Linksverkehr eingeführt hatten, weil sie ihn selbst nicht mehr wollten. Überraschenderweise haben sich die Briten ziemlich darüber gefreut und begehen noch heute ihren Nationalfeiertag an diesem Tag. Dieser Umstand und das Bestreben zur Individualisierung ist übrigens auch der Grund, warum das metrische System durch das sogenannte angelsächsische System ersetzt und die Monarchie eingeführt wurde. Inzwischen erlebt die Demokratie allerdings eine Renaissance und verdrängt die Monarchie nach und nach wieder, obwohl eigentlich niemand die Sache mit dem Ober- und Unterhaus versteht, dabei ist es schon eine enorme Vereinfachung seit Abschaffung der beiden Mittelhäuser.

Noch im gleichen Jahr wanderten übrigens sämtliche Känguruhs aus England aus und siedelten nach Australien über, da sie mit dem neu eingeführten Linksverkehr nicht mehr zurecht kamen. Dummerweise hatten sie nicht damit gerechnet, daß in Australien ebenfalls Linksverkehr herrscht, was zu massiven Unfällen führte und die Känguruhs fast ausrottete. Es ist Tierschützern zu verdanken, daß es nie dazu kam, nachdem sie spezielle Känguruh-Zonen einführten, in denen Rechtsverkehr vorgeschrieben war. Das funktionierte überraschend gut, denn Fahrzeuge waren in diesen Rechtsverkehrszonen verboten.

Nach dem Verlust der gesamten englischen Känguruh-Population schickte die frisch eingesetzte Queen eine geheim operierende Spezialeinheit nach Deutschland, um das traditionelle englische 7-Tage-Wochen-System einzuführen. Früher hatte eine europäische Standardwoche 3 Tage: Dienstag, Ochstag und Mondtag. Damals war es üblich, den Monat nach dem Dezimalsystem in 10 Wochen zu unterteilen. In Engalnd hielt man die 7 für eine schönere Zahl als die 3 - außerdem dachte man, daß es klüger sei, den Monat in 4 Wochen zu unterteilen, da das besser aufginge. Dummerweise hatten sich die Engländer verrechnet und so eine noch viel größere Diskrepanz erzeugt. In der europäischen Standardwoche bleibt nur bei 31-Tage-Monaten ein Tag übrig, während in der 7-Tage-Woche immer 2 bis 3 Tage am Ende der 4 Wochen übrig bleiben. Dieser Fehler wurde aber erst 21 Jahre nach ihrer Einführung bemerkt und da war es bereits zu spät, das System wieder rückgängig zu machen.

Die geheime Spezialeinheit scheiterte jedenfalls und es gelang ihr nicht, ihren Wochenreformationsplan umzusetzen. Das wäre aber ohnehin nicht notwendig gewesen, denn bestimmte Bevölkerungsschichten in Deutschland sind besessen von Klatsch und Tratsch über das englische Königshaus und so wurde mit der Einführung der Monarchie in England, mit Hilfe einschlägiger Klatschzeitschriften, das 7-Tage-System relativ schnell populär. Seine Einführung in Deutschland war nunmehr lediglich ein Akt der Bürokratie, was zwar nach deutschen Regeln grundsätzlich 12 Wochen, 5 Ausfertigungen und eine Bearbeitungsgebühr benötigt, dann aber unumstößlich ist.

Rechnet man nun also die erhöhte Wochentagzahl von 7 statt früher 3 bis zum Jahr 1835 zurück, kommt man darauf, daß heute eigentlich Mittwoch wäre, allerdings nicht nach dem alten europäischen Kalender, laut dem dieser Tag Ochstag genannt wird. Den Begriff Mittwoch haben erst die Briten eingeführt, nachdem sie vor dem Dienstag den Montag einschoben und Donnerstag, Freitag und Sonnabend nach dem Ochstag platzierten. Der wurde dann in Mittwoch umbenannt, um die Mitte der Woche zu markieren. Erst viel zu spät merkte man, daß der Mittwoch gar nicht die Mitte der Woche war, da aber schon eine enorme Anzahl Taschenkalender gedruckt wurde, hat man auf die Schnelle festgelegt, daß Sonnabend und Mondtag als freie Tage gelten und der Mittwoch die Mitte der nicht-freien Woche markieren soll.

Es stellte sich schnell heraus, daß die Menschen den Montag sehr häufig mit dem Mondtag verwechselten und so wurde dieser spontan in Sonntag umbenannt. Sonne klingt auch viel besser, als Mond, besonders, wenn es sich um einen Tag handelt. In einigen abgelegenen Gegenden Deutschlands wird noch heute jeden Mittwoch ein Ochstags-Essen veranstaltet, an dem es traditionell Känguruh gibt.

Jan • 8.3.2010, 7:04 Uhr

Kurioses

Ungelöste Rätsel des Universums (5)

Beim Segeln braucht man normalerweise keinen Strom. Angetrieben wird man vom Wind und tagsüber braucht man auch kein Licht. Auf größeren Yachten für Küsten- und Seegewässer ist das ein wenig anders. Man hat eine Batterie für das Bordnetz, denn man möchte ja mit GPS navigieren, ein funktionstüchtiges Funkgerät haben, die Lebensmittel kühlen und vielleicht auch mal das Radio anschalten. Normalerweise ist das alles machbar, wenn man jede Nacht im Hafen die Batterien mit Landstrom lädt. Mit dem Motor geht das selbstverständlich auch, aber wir wollen ja segeln.

Nun verhält es sich so, daß man ja vielleicht auch mal nachts segeln möchte oder muß und zu diesem Zweck benötigt man zusätzlich noch die Navigationslichter, damit man nicht von der Rostock-Gedser-Fähre übermangelt wird. Und wie beim Auto, belasten die Lampen die Batterie nicht unerheblich und so versucht man bereits vorausschauend Energie zu sparen, z.B. durch Abschalten der Kühlbox und Meiden des Radios.

Ist man nun gewzungen, die Nacht durchzusegeln, spart man mit allen Mitteln Energie, um Navigation und Beleuchtung bis zum Morgen aufrechtzuerhalten. Klingt doch logisch, oder? Für einige Menschen offenbar nicht und diese sitzen vornehmlich in den Entwicklungsabteilungen von Mobiltelefonherstellern. Würde NOKIA eine Segelyacht entwerfen, dann würden sofort alle verfügbaren Navigationslichter und das Decksflutlicht blinken, während das Nebelhorn alle paar Sekunden einen Warnton ausstößt, um den unbedarften Segler daran zu erinnern, daß die Batterie gleich leer ist.

Kommt nur mir das so vor, oder ist das blanker Hohn, daß Mobiltelefone, sobald ihr Akku fast leer ist, anfangen mit dem Display zu blinken und Piepsgeräusche von sich zu geben? Ist es nicht eigentlich eine ziemlich dumme Idee, bei Energiemangel nochmal extra viel Energie zu vergeuden? Sollte man nicht lieber in einen Energiesparmodus wechseln, wenn sich der Akku dem Ende neigt? Ein weiteres ungelöstes Rätsel des Universums.

Noch mehr ungelöste Rätsel.

Jan • 19.2.2010, 14:06 Uhr

Kurioses · Alltägliches

Kennen Sie Brise One Touch?


Werbung von 2009

Das ist so ein Raumspray, speziell für die Toilette, mit dem man eventuell auftretende unangenehme Gerüche überdecken kann. Bekannt wurde es in Deutschland durch seine schlecht synchronisierten und merkwürdig skurillen Werbespots. Wenn mal keine Zeitung zur Hand ist, kann man sich die Warnhinweise auf der Dose durchlesen und wird sich vermutlich wundern:

[...] Darf nicht in Hände von Kindern geraten. Aerosol nicht einatmen. Nur in gut belüfteten Bereichen verwenden. Nicht in die Augen sprühen. [...]

Bei der Lektüre dieser Hinweise drängen sich einem sogleich Fragen auf, wie: Warum sieht man eigentlich in sämtlichen Werbespots vorwiegend Kinder auftreten, die das doch eigentlich gar nicht benutzen dürfen? Muß man jetzt immer die Luft anhalten, wenn man den Raum erfrischt? Wenn der Bereich immer gut belüftet sein muß, braucht man wozu genau ein Duftspray? Ist die Wandmontage mit nach oben gerichteter Sprühöffnung nicht ein wenig ungünstig geplant?

Schlußendlich wird man vermutlich nie erfahren, ob Entwicklungs- und Marketingabteilung von Brise überhaupt miteinander reden.

Jan • 21.10.2009, 11:35 Uhr

Meine zwei Pfennig

Twitter


Wenn ich twittern würde, sähe mein Feed in etwa so aus:

13:23 Habe gerade Teewasser aufgesetzt

13:41 Habe nochmal Teewasser aufgesetzt, weil es schon wieder kalt war.

13:48 Habe das heiße Wasser in die Tasse gegossen, Teebeutel rein, Wecker auf 4 min gestellt.

14:39 Habe den Tee nach 50 min Zieh-Zeit weggegossen und neues Teewasser aufgesetzt.

14:50 Habe nochmal Teewasser aufgesetzt, weil es wieder kalt war.

Jan • 18.9.2009, 6:06 Uhr • Kommentare: 12

Neulich im Zwischennetz · Kurioses

Nutzloses Wissen


Rostocker Straßenleuchte RSL 1

Im Zentrum der »Blaubeerstadt« Eggesin steht seit 2002 ein Denkmal zu Ehren der Blaubeere. Beim Blaubeerfest Mitte Juli wird eine Blaubeerkönigin gekürt.

Sago wurde ursprünglich aus dem Mark der Sagopalme gewonnen, heute auch aus Wurzelknollen anderer tropischer Pflanzen, beispielsweise aus Maniok. Marco Polo brachte den ersten Sago im Jahre 1280 nach Europa.

Viele Leute finden es extrem lächerlich, dass Supermans Verkleidung als Clark Kent quasi nicht existiert und dass er trotzdem nicht von seinen Kollegen erkannt wird. Die gleichen Leute haben aber kein Problem damit, dass er ein Superwesen ist, welches fliegen kann und dessen einzige Schwachstelle Kryptonit ist.

Die Rostocker Straßenleuchte RSL 1 wurde seit Anfang der 60er Jahre hergestellt und noch bis in die 90er von einem Nachfolgeunternehmen produziert. Ab 1981 wurde das dicke Rippenglas durch dünneres Strukturglas ersetzt. Ab 1982 gab es die Leuchte für die Bestückung mit 2 NA Lampen 70 W. Seit 1990 gibt es auch Standrohre zur Montage auf Stahlmasten.

Die flugfähige Version des Hubschraubers »Airwolf« aus der gleichnamigen Fernsehserie war eine modifizierte Bell 222 mit der Seriennummer 47085. Während der Dreharbeiten gehörte er Peter J. McKernan Sr.'s Firma »JetCopters Inc.« in Van Nuys, CA, danach wurde er als Rettungshubschrauber nach Deutschland verkauft, wo er bis 1991 bei der HSD-Luftrettung als Intensivtransporthubschrauber genutzt wurde. Bei einem Einsatzflug am 6. Juni 1992 geriet die Maschine beim Flug von Köln nach Berlin in ein Gewitter und stürzte, vermutlich durch einen Blitzschlag, ab.

Jan • 22.7.2009, 6:42 Uhr

Alltägliches

Ungelöste Rätsel des Universums (4)


8 Stellen

Warum setzen so viele Menschen Leerschritte in lange Ziffernfolgen? Egal, ob es eine Telefonnummer ist, eine Kontonummer oder Bankleitzahl, es werden immer wieder Leerschritte eingefügt, meistens nach jeweils drei Ziffern: 030 678 901 23 oder 860 100 90. Ja natürlich, »das ist doch zur besseren Lesbarkeit, damit man z.B. nicht zwischen den Ziffern verrutscht«. Aber wer liest Kontonummern? Enthalten sie eine mir unbekannte Poesie? Zählen sie zur modernen Prosa? Ist das Telefonbuch deshalb so erfolgreich, weil es so gut lesbare Telefonnummern enthält?

Natürlich, im Telefonbuch Leerschritte zwischen die Zahlengruppen zu setzen ist tatsächlich sinnvoll. Ebenso auf Visitenkarten oder Werbeschildern. Hier muß man die Nummer behalten, abschreiben oder abtippen und ist dankbar für leicht zu merkende Ziffernblöcke. Aber warum neigen die Leute dazu, auch in digitalen Medien, wie Email oder Textnachricht Leerschritte einzufügen? Wir schreiben das Jahr 2009. Jeder zweite Haushalt in Deutschland verfügt über einen Internetanschluß, wieviele Menschen ihre Bankgeschäfte online machen ist sicher auch in einer Studie belegt. Was vermutlich noch nicht untersucht wurde: Wieviele Menschen ärgern sich Tag für Tag über Leerschritte in Kontonummern?

In einem Online-Überweisungsformular gibt es ein Feld für die Kontonummer und die Bankleitzahl. Diese Felder akzeptieren nur Zahlen, jedoch keine Leerzeichen und sind außerdem in ihrer Länge begrenzt. Ein Eingabefeld für die Bankleitzahl erlaubt nur Zahlen und eine Maximallänge von 8 Zeichen. Die hübsch mit Leerzeichen formatierte Zahl "860 100 90" ist nicht nur viel zu lang (10 Zeichen), sondern enthält auch unerlaubte Zeichen (die Leerschritte).

Vielleicht kann ja mal jemand eine Studie darüber machen, wieviele Jahre ihres Lebens die Menschen damit vergeuden, Leerzeichen aus Kontonummern zu entfernen.

Weitere ungelöste Rätsel.

Jan • 15.7.2009, 6:32 Uhr

Kulturelles

Bücher lesen


Skulptur »Der moderne Buchdruck« (Bebelplatz, Berlin 2006)

Als Kind habe ich niemals Bücher gelesen. Ich habe lesen gehaßt. Entweder war ich draußen oder ich hab drinnen mit meinen Mätschies gespielt. Bücher waren für mich Zeitverschwendung - außerdem gab es ja auch noch Westfernsehen. Meine Eltern haben das ziemlich schnell durchschaut und mir dann angepaßte Geschenke gemacht, wie z.B. Spielzeug-Autos oder ein neues Fahrad. Meine Großmutter hat mir allerdings zu jedem Geburtstag und an jedem Weihnachten unermüdlich ein Buch geschenkt, das ich, mich brav bedankend, mit vorgespielter Freude entgegennahm und in irgendeiner Kiste verschwinden ließ.

Andere Kinder haben viel gelesen. Winnetou oder Lederstrumpf. Keine Ahnung, was nicht noch alles. Mein Vater hat immer ganz begeistert von Cousteau berichtet oder Jack London. Ich konnte dem nichts abgewinnen. Heute frage ich mich manchmal, ob ich etwas verpaßt habe, ob mir nicht ein wichtiger Teil der Kindheit und der DDR-Kultur fehlt. Doch ich bin der Meinung, daß man als Kind nicht unbedingt viel gelesen haben muß. Es gibt lustigere und aufregendere Freizeitaktivitäten. Wir sind mit unseren Fahrrädern wie Rowdies durch die Gegend gefahren, haben Buden im Wald gebaut oder mit all unseren Mätschies riesige Städte in unseren Kinderzimmern errichtet. Als dann die Wende kam, gab es dutzende neue Abenteuerspielplätze in den leerstehenden Fabrikgebäuden abgewickelter Volkseigener Betriebe und auf überstürzt verlassenen Kasernenanlagen, wo man noch Gulaschkanonen, Ikarusbusse, Berge von Akten und Lagerhallen voll mit Autobatterien, Kugellagern und Neonröhren vorgefunden hat. Und es gab niemanden, den es interessiert hätte, ob wir dort unser Unwesen trieben oder nicht - außer vielleicht die Eltern, denen man natürlich nicht davon erzählt hat. In einer der für Ostkinder aufregendsten Zeiten des 20. Jahrhunderts - der Wendezeit - war Lesen das letzte, was ich mit meiner Zeit anzufangen gewußt hätte.

Heute lese ich sehr gern. Wenn ich denn die Zeit finde. Und das ist keine Ausrede, um nicht zu lesen, denn ich schaffe schon das eine oder andere Buch. Das ist wie ein Instrument zu spielen. Als Kind wollte man nie eins lernen und man war froh, daß einen die Eltern nicht gezwungen haben. Als junger Erwachsener hat man dann bereut, nie ein Instrument gelernt zu haben und warf seinen Eltern vor, daß sie einen damals nicht gezwungen haben. Heute bin ich wieder froh darüber, denn meine Kindheit war schön - so wie sie war. Dafür bringe ich mir eben jetzt Gitarrespielen bei, wobei »jetzt« eigentlich schon wieder ein paar Jahre zurückliegt und die Gitarre schon ziemlich eingestaubt ist. Immerhin hatte ich schon ein paar Songs drauf, die man am Lagerfeuer hätte spielen können, wenn man denn eins besucht und seine Gitarre mitgebracht hätte.

Ein Nachteil, daß man als Kind nie gelesen hat ist der, daß einem die anderen um eine Menge Bücher voraus sind, bei denen man nicht mitreden kann. Und wenn man dann ohnehin nur so wenige Bücher pro Jahr schafft, wie ich, muß sehr genau selektiert werden, welche Bücher man dann auch tatsächlich anfängt. Man probiert dieses und jenes, legt sich auf gewisse Autoren fest, wird irgendwann enttäuscht und landet schließlich bei den Klassikern.

Schwierig wird es bei Empfehlungen. Neulich fiel mir ein Buch in die Hände, das mir mal ein Freund vor Jahren ausgeliehen hatte. Eigentlich zwang er mich, es auszuleihen, denn ich müsse es unbedingt lesen, da es so extrem gut sein soll. Schon der Titel hat mich angeödet und ich verspürte nie den Drang, überhaupt mal den Klappentext zu lesen. So verstaubte das Buch und verschwand schließlich in irgendeiner Kiste nachdem der Kontakt mit jenem Freund eingeschlafen war. Als ich es jetzt wieder in Händen hielt und den Staub abwischte, ödete mich der Titel immernoch an. Da ich es aber nicht zurückgeben kann und mich entscheiden mußte, ob ich es beim nächsten Buchladen abgeben oder behalten sollte, las ich wenigstens endlich mal den Klappentext.

Wie weit muß man ein Buch lesen, bis man entscheiden kann, ob man es weiterlesen oder wegwerfen möchte? Jenes verstaubte Buch, das Marcel Reich-Ranicki, laut Wikipedia der einflußreichste deutsche Literaturkritiker, als hervorragend bezeichnete, ist bei mir nun auf Platz eins. Platz eins der Liste der am wenigsten beachteten Bücher. Es ist quasi das einzige Buch in meinem Besitz, bei dem mich schon der Klappentext so sehr angeödet hat, daß ich nichtmal den zu Ende gelesen habe.

Der Autor und Lesebühnenveteran Dan Richter hat in seinem Blog einmal geschrieben:

»Wieviele Seiten sollte man eigentlich einem Buch geben? Sicherlich hält man bei Empfehlungen länger durch. Dem "Namen der Rose" oder den "Satanischen Versen" gönnt man auch schon mal 50 Seiten, um dem Buch eine Chance zu geben. Aber ein Krimi sollte einen schon nach 5 Seiten hineinziehen. Stephen Kings "Shining" habe ich tatsächlich 200 Seiten weit gelesen und mich immer wieder gefragt: Wann wird es denn nun spannend. Bei "Der dunkle Turm" hat eine halbe Seite genügt, mich zu verschrecken.«

Manchmal zweifle ich ein wenig an meinem Geschmack, wenn ich Sachen ganz furchtbar schlecht finde, von denen andere in den höchsten Tönen schwärmen. Ich denke dann, ich bin vielleicht ein Banause und fühle mich ein wenig schlecht, weil man dieses oder jenes Buch ja unbedingt gelesen haben muß laut der Auffassung einiger Kritiker und Kenner. Gottseidank gibt es dann noch Momente, wie diesen, in denen ich erkenne, daß auch andere Leute so denken wie ich. Leute, deren Meinung genauso ernstzunehmen ist, wie die jener Freunde, die Empfehlungen aussprechen oder jener Kritiker, die das höchste Lob vergeben.

Auch ich hatte mal »Der dunkle Turm: Schwarz« in der Hand. Das Buch wurde mir von einer Bekannten so sehr empfohlen, daß ich es mit nach Hause nehmen mußte, um es nach nichtmal einer Seite genervt wegzulegen und so schnell wie möglich zurückzugeben. Ich wußte damals nicht, wie ich es ihr erklären soll. Ich hab mich fast ein wenig geschämt. Heute fühle ich mich gut. Ich stehe nicht allein da mit meiner Meinung. Vielleicht gibt es einfach Bücher, die nicht jeder lesen kann und sollte. Vielleicht muß man einfach nicht alles gelesen haben, was andere toll finden. Vielleicht hätte mir das schon viel früher klar sein müssen. Aber auch wenn die Erkenntnis spät kommt, sie bleibt wertvoll. Danke Dan!

Jan • 8.7.2009, 6:45 Uhr • Kommentare: 3

Kurioses

Die Brille


Hat auch seine Brille verloren (Foto: schockwellenreiter, Lizenz)

P fragte mich neulich, ob ich ihre Brille irgendwo gesehen hätte. Sie meinte die hübsche schwarze, mit dem dicken Rahmen. Sie hat schon überall nach ihr gesucht und die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt - ohne Erfolg. Heute morgen kommt sie gut gelaunt mit ihrer schwarzen Brille herein.

»Nachdem ich die Brille einfach nirgendwo finden konnte, mußte ich mich damit abfinden, daß ich sie wohl verloren habe. Ich beschloß also, mir bei eBay eine neue zu kaufen, die wenigstens so ähnlich aussieht. Ich hatte Glück, denn ein Modell sah fast genauso aus, wie meins. Leider war die Auktion schon beendet. Also hab ich den Verkäufer einfach angeschrieben und gefragt, ob der Höchstbietende noch interesse hat und daß falls nicht, ich die Brille nehmen würde. Daraufhin kam gleich die Antwort, daß ich sie haben könne, wenn ich das Geld überweise. Dann sehe ich bei den Bankdaten "Berliner Sparkasse" und schreibe abermals eine Email mit der Frage, ob auch eine Abholung möglich wäre, da ich ja auch in Berlin wohne. Er meinte, das wäre kein Problem, er wohne im Bezirk Friedrichshain. "So ein Zufall", schrieb ich zurück, "ich wohne auch im Friedrichshain!" - "Super, ich wohne in der Wühlischstr. 9", kam die Antwort. - "Ach, ich auch!?" Das waren dann zehn Euro Finderlohn an meinen Nachbarn.«

Jan • 1.7.2009, 6:03 Uhr

Aktuelles · Hier

Mit dem Fahrrad im Büro


das rot/blaue in der Mitte

Ich hab heute morgen aus dem Fenster geschaut und es war so ein heftiger Wind, da dachte ich, es macht bestimmt Spaß, Fahrrad zu fahren. Aber ich hatte mich geirrt. Es hat keinen Spaß gemacht. Weder gegen den Wind die Brücken hoch, noch quer zum Wind drüber weg. Wenigstens habe ich eine Gangschaltung. Mountainbikes haben sowas. Auch welche von 1992. Früher war das anders.

Als Kind hatte ich ein BMX-Fahrrad. Das hatte keine Gangschaltung. Das hatte nichtmal einen Leerlauf, sondern Rücktritt. Es war nämlich gar kein echtes BMX-Rad, sondern ein umgebautes Klappfahrrad von MIFA. In der DDR gabs nämlich gar keine BMX-Räder. Zumindest nicht in der Zeit, als wir ständig ins Kino gelaufen sind, um die BMX-Bande zu sehen und danach durch den Wald zu rasen und über Wurzeln zu springen.

Mein Papa hatte damals ein Klappfahrrad gekauft und es mit in die Werft genommen. Dort hat er dann von einem Kollegen eine Stange zwischen Sattel- und Lenkerstütze einschweißen lassen. Dann hat er es weiß lackiert und aus schwarzem Isolierband die Buchstaben B, M, X ausgeschnitten und beidseitig auf den Rahmen geklebt. Aus Schaumgummi und rotem Nylon hat er dann Polster für Stange und Lenker genäht und einen schicken Bananensattel montiert. Als Räder wurden die dicken, grobprofiligen Mopedanhänger-Räder genommen. Die hatten damals die bevorzugten Stahlfelgen und paßten perfekt an ein Klappfahrrad.

Damals haben mich viele beneidet. Während sie mit ihren quietschenden Klapprädern fahren mußten, hatte ich ein BMX-Fahrrad. Oder zumindest etwas ähnliches. Und dann passierte es. Kurz vor der Wende brachte MIFA ein echtes BMX-Rad heraus. Mit Leerlauf und Felgenbremse vorn und hinten. Und plötzlich hatten alle sowas. Nur ich hatte ein nicht klappbares Klapprad mit BMX-Aufkleber und Rücktritt.

Mein Mountainbike hat über 20 Gänge. Wieviele genau, weiß ich gar nicht. Ich fahre vorn nur auf dem größten Kranz und schalte hinten so weit hin und her, wie es geht. Brücke rauf, Brücke runter. Gegen den Wind. Oder gegenan. Manchmal auch direkt dagegen. Es ist immernoch total windig draußen. Auf den Rückweg freu ich mich jetzt nicht mehr. Aber vielleicht regnet es ja noch. Dann werde ich wenigstens naß.

Jan • 23.6.2009, 11:52 Uhr • Kommentare: 4

Woanders

Frankreich 2008 - Tag 7


Richtung Mulhouse

Donnerstag, 30.10.2008

Schonwieder früh aufstehen. Sechs Uhr. Als wir endlich aufbrechen ist es sieben. Wir sind unterwegs richtung Mulhouse und es wird langsam hell.

In Mulhouse gehen wir nochmal ausgiebig einkaufen, stocken unsere Weinreserven auf, kaufen noch etwas Käse, Gebäck und vor allem Coca-Cola BlāK, die es nur in Frankreich gibt. Ich kaufe gleich alle im Regal vorrätigen Sixpacks dieses leckeren Nektars. Halb elf passieren wir schließlich die Grenze nach Deutschland.

Mittagspause im McDonald's in Achern um punkt 12 Uhr. Es regnet unentwegt. Kurz vor drei erreichen wir Selters. Es regnet immer noch.

Wir steigen um 16:02 Uhr in den ICE 810 nach Köln. Ich muß irgendwo am Bahnhof in Hundwurst getreten sein, denn im Zugabteil breitet sich ein ziemlich unangenehmer Geruch aus. Ich streife meine Schuhe am blauen ICE-Teppich ab, kann aber keine Verschmutzungen erkennen. Als wir 16:45 Uhr in den ICE 653 nach Berlin umsteigen, folgt uns der Hundekotgeruch und ich frage Frank, ob er irgendetwas damit zu tun hat. Er grinst mich an und sagt verlegen, daß der Käse, den wir in Mulhouse gekauft haben, etwas aromatischer ist, als er erwartet habe. Während wir zu unserem Bahnsteig laufen, achte ich darauf, immer vor Frank zu laufen.


Wieder in Deutschland

Es ist 17 Uhr, wir sitzen im Bordrestaurant, da keine anderen Plätze mehr frei waren, und trinken einen Kaffee. Frank hat seinen Rucksack mit dem Käse unter dem Tisch verstaut. Ich sitze still am Tisch, schaue in meinen Kaffee und sage halblaut zu Frank "mann hier stinkt's!", während ich im Augenwinkel sehe, wie der Herr am Nachbartisch, der gerade eine Käseplatte ißt, ruckartig seinen Kopf zu mir dreht. Wir bestellen uns ein Bier. Die erwartete Ankunftszeit in Berlin Hauptbahnhof ist 21:08 Uhr.

Die Berliner S-Bahn ist voll. Wir quetschen uns mit unseren Reisetaschen irgendwie rein und versuchen den Käsegeruch zu ignorieren. Während Frank mit einer jungen Frau flirtet, die den Geruch offensichtlich nicht ignorieren kann, beugt sich ein Teenager über Franks Rucksack, um seine Freundin zu küssen. Mit einem Mal zuckt er erschrocken zurück, als ihm der strenge Geruch in die Nase steigt. Es fällt mir schwer, nicht laut zu lachen. Willkommen in Berlin!

Die anderen Tage: Tag 1, Tag 2, Tag 3, Tag 4, Tag 5, Tag 6 oder alle auf einen Blick

Jan • 13.5.2009, 5:46 Uhr • Kommentare: 1